Kritik

Das habe ich wegen dir getan

Das habe ich wegen dir getan

John Lanchester

Rache-Ping-Pong

Rache-Ping-Pong

»Kapital« war das erste Buch von John Lanchester, das eine breitere Öffentlichkeit erreicht hat. Eine gut gemachte Geschichte, Kernthema Gentrifizierung. Jetzt also ein Buch mit einem wirklich blöden Titel. Macht trotzdem Spaß. Bis es keinen mehr macht.
Aber zunächst: Worum geht’s? Grob gesagt um Rache-Gezirkel. Wohlsituiertes Londoner Ehepaar der Boomer-Generation, mit allem, was man eben so hat, wenn man lange zusammen ist, also konkret einer eigenen Sprache, Sätzen, die nur sie richtig einordnen können, einer gemeinsamen Vergangenheit und Weltsicht – und einem ziemlich klaren Bild, was und wie der/die andere ist. Dann stirbt Ehemann Jack überraschend und Kate fällt in das Loch der Trauer – bis sie bemerkt, dass die tolle neue Serie, über die alle ihre Freundinnen sprechen, von ihrer Ehe handelt. Und zwar von exakt diesen Geheimnissen, ihrem Leben inklusive ihrer Sätze und Kosenamen und so weiter. Dann wird aus der Trauer Wut. Und alles dreht sich zunächst um die Frage: Woher weiß die Drehbuchautorin Kate das alles? Und dann um: Wie zahle ich es ihr heim. Und vielleicht auch: Warum? Aus den Fragen wird die Antwort Rache. Und die wird dann eben auch von Kate kalt serviert. Flott geschrieben, geschliffene Beschreibungen, amüsant. Richtig sympathisch ist einem keine der Figuren, aber das machen die pointierten Gedankengänge und Beobachtungen wett. Wirklich spannend ist es nicht, dafür durchschaut man die Verwicklungen, Motive und das „wer hat da was gemacht“ dann doch zu schnell. Das letzte Viertel ist dann so vorhersehbar, dass man lieber mal selbst überlegt, wem man es wie gerne heimzahlen möchte (Antwort: niemandem, ist ja doch nur Zeitverschwendung). Aber man wird gut unterhalten, wenn man im Zug sitzt oder es einen doch noch an einen Strand verschlägt. Womit sich offenbart, was nicht passt: So einen Roman braucht man nicht als Hardcover. Das bingt man gerne als Taschenbuch durch, als ganz okaye Unterhaltungsliteratur mit diesem Nachgefühl wie bei zu viel Funny Chips ungarisch: Am Anfang toll, dann kann man es eigentlich aber auch lassen, na ja, die paar Krümel jetzt noch. Und zum Schluss will man dringend was mit wahrscheinlich weniger leckeren, aber nicht so leeren Kalorien.   

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