Es ist das alte Lied von der Liebe, dem Alkohol und dass das alles wahrscheinlich nicht gut ausgeht. Was Kevin Barry in „Das Herz im Winter“ erzählt, ist also eine ganz alte Geschichte, die jedoch in Tagen wie diesen auch etwas Beruhigendes hat. Der mal raubbeinige, mal fast rührselige Ton, gepaart mit überraschend schönen Formulierungen – da wünscht man sich doch manchmal die Zeiten zurück, als man statt eines Handys noch ein Schießeisen trug und sich statt mit der Selbstoptimierung mit dem Glücklichwerden beschäftigte..
Ärgerlich ist der Titel, lautet im Original aber exakt ebenso. Bekannt ist der Autor, ein Ire, der auch so aussieht, wirklich gut schreiben kann – und das Beste aus allen Klischees macht.
Zum Inhalt: Der immer verschuldete, immer angesäuselte Tom Rourke schreibt Liebesbriefe für die analphabetischen Junggesellen der Stadt (unansehnliche Kerle, wortkarg, christlich verdammt) und lockt damit eine Frau in das Städtchen Butte, die ihm dann selbst gefällt. Und Polly verlässt eine Woche nach der Heirat den maulfaulen Selbstauspeitscher und Minenaufseher und brennt mit Tom, dem Minnesänger des Jahres 1891, durch. Wenig Plan, viel Leidenschaft. Ob sie San Francisco je erreichen? Denn natürlich ist man ihnen auf den Fersen.
Große Sehnsucht, großes Getrinke und große Kargheit, Schnee über der Landschaft und Raureif auf den Herzen, der schneller schmilzt als ein Eiswürfel im Whiskyglas. Tod und Teufel, Tränen und – noch mehr Trinkerei.
Erschienen ist der Roman bei »Liebeskind«. Wie schön, dass der Verlag endlich wieder auffährt und seinem bisherigen Stil treu bleibt. »Das Herz im Winter«, durchaus muntere Lektüre, wenn man das im Stil des Romans so sagen darf, vor allem diese Mischung aus Gefluche und Gesäusel inspiriert dann doch, die eigene Wahrnehmung der Welt mal in andere Worte zu kleiden. Zwischendurch dreht es sich ein bisschen zu oft im Kreis (woran das wohl liegt? Prost.), die Bilder trägt’s mal aus der Kurve, aber was soll’s, so ist das wenn man wild lebt und liebt. Und das Ende ist dann doch auf eine Weise melancholisch, dass man denkt, wie gut, dieses Buch gelesen zu haben.

