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Nach Hause kommen

Nach Hause kommen

Per Petterson

Eine schlichte Geschichte

Eine schlichte Geschichte

Sozialdemokratisch, das ist so ziemlich das erste Wort, das mir in den Sinn kam, als ich „Nach Hause kommen“ las. Ein Mann fährt ein Reh an, das verschwindet verletzt, und der Protagonist Kasper beginnt, über eine vergangene Affäre nachzudenken. Er war damals, vor gut dreißig Jahre, verheiratet, hatte zwei kleine Kinder, liebte alles. Arbeitete in einer Druckerei, schlief nach der Nachtschicht im Bus ein, war dem Busfahrer dankbar, der seinetwegen die Route änderte. Es war und ist schwierig mit der Ursprungsfamilie, es dauerte, bis er zu seinem eigentlichen Beruf, dem Schreiben, kam. Und dann war da eben Signe, in die er sich verliebt, für die er sich zwar kein Bein, aber fast eine Schulter ausreißt. Wie soll das gehen? Kasper erlebt es, aber fast, als wäre er ein Mitspieler, kein Akteur. Zusammengefasst: kleine Verhältnisse. Das proletarische Milieu, die Alltäglichkeit dessen, was geschieht. Und auch wenn Signe mal von „Erlösung“ spricht, hat das nichts Spirituelles, sondern es ist wohl tatsächlich so gemeint, dass da Ketten gesprengt wurden.

Die Geschichte ist, man ahnt es, nicht aufregend. Ein schmales Stück (208 Seiten), zwischendurch denkt man an all das Interessante, was da noch auf einen an Lektüre wartet. Braucht man da die einfache Sprache, das schon so oft Gelesene (verheirateter Mann verliebt sich in andere Frau), den wenig mondänen Osloer Wohnblock mit Genossenschaftsladen und Buslinien? Man guckt aus dem Fenster auf der Suche nach einer Antwort, und da ist wieder das Wort „sozialdemokratisch“. Ja, man braucht es. Nicht permanent, aber ab und zu. Denn so ist das Leben, im Grunde schlicht. Und es tut auf eine merkwürdige Weise gut, darüber zu lesen. Denn leise dreht sich die Welt.

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