Wir kennen Jan Weiler als Autor, der leichtfüßig auch nicht so Leichtes erzählen kann. In der Buchhandlung leuchten viele Augen, wenn man den „Markisenmann“ erwähnt. Vorher gab es dieses „Maria“-Zeug, ich weiß nicht, hab’s nie gelesen, soll lustig gewesen sein. Jetzt also „Das Vogelhaus“. Dabei handelt es sich um eine der Stationen, die der Zivildienstleistende Leonard Beck versorgen muss. Und vor der er sich gruselt wie vor nichts anderem. Seine Kollegen Patrick und Aristeas rätseln ebenso wie Leo, was da wirklich los ist, und bestreiten ansonsten die Zeit damit, den Armen, Alten, vom Weg Abgekommenen unter die Arme zu greifen. Oft jenseits der Ekelgrenze. Die sich im Laufe der Zeit aber verschiebt, weil, so sagt’s der Volksmund, man gewöhnt sich ja an alles. Was auch nur so eine halbtröstliche Botschaft ist.
Sechzehn Jahre später reist der frisch geschasste Dramaturg Leonard zurück ins Heimatdorf – seine Mutter hat ihm ein Inserat geschickt, das Vogelhaus wird verkauft. Und irgendwas zieht den Ex-Zivi dorthin.
Das Ganze ist ein Roman, der in Weiler-Manier auch dem Traurigen immer wieder etwas Amüsantes abzugewinnen weiß. Menschenfreundlich, so ist hier die Perspektive auf das Geschehen. Ein bisschen Spannung, ein bisschen Psychologie, alles verträglich wie das Essen auf Rädern in den Styroporboxen und dabei (ebenso wie dieses) oft erstaunlich gut zu konsumieren. Nun ja, es gibt bessere Vergleiche, ich weiß, aber man muss sich schon über genug den Kopf zerbrechen. Es ist (irgendwie stimmt der Vergleich doch) eine gute Mischung aus Spannung, Coming-of-Age, ein wenig Komödie, Sozialreportage? Es fängt ganz gut das Thema Zivildienst ein (der „nach Leonard“ abgeschafft wurde) und wäre da nicht so viel Vorhersehbares, zu glatt Gestricktes und ein versemmeltes Ende, man könnte sagen: top für zwischendurch. Dass die Geschichte immer mal wieder über die Schwelle zum Kitsch stolpert, geschenkt. Man hopst beim Lesen ja gerne mal über sein Niveau – dieses Mal läuft man entspannt, aber ohne schlechtes Gewissen darunter durch, muss auch mal sein. Und wo ich jetzt so schreibe, frage ich mich tatsächlich, wie es wohl weiterginge, schriebe Weiler Band 2 – das ist doch ein gutes Zeichen.

