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Vier Minuten

Vier Minuten

Monika Maron

Unter ihren Möglichkeiten

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Wir alle kennen die Augenblicke, Tage, Phasen, in denen wir uns fragen, wie unser Leben wohl ausgesehen hätte, wenn wir unterwegs mal eine andere Abfahrt genommen hätten. Dafür braucht es keine Midlife-Crisis und auch nicht den letzten abschüssigen Hang gen Grab. In Monika Marons neuem Roman „Vier Minuten“ braucht es einen roten Audi. Er erfasst die Journalistin Lea Nowak auf der Berliner Golzstraße, 240 Sekunden lang steht ihr Herz still. Ein Sanitäter holt sie zurück. Oder war es eher der Priester, der ebenfalls neben ihr kniete? Die Hauptstadt-Journalistin und Rationalistin wankt innerlich, nennt sich wieder Leonora, macht sich auf die Suche nach kürzlich und längst Geschehenem. Sie nutzt die Monate der Genesung, um sich ihr Leben ganz grundsätzlich anzuschauen. Das Leben in der DDR, die Eltern, die erste Liebe, das Mutter.sein Was war Entscheidung, was Zufall, überhaupt der Zufall … Gibt es ein Schicksal, eine Geschichte, die längst für uns geschrieben ist, oder stolpern wir von Situation zu Konstellation zu „na dann eben so“?

Der Nahtod als Anlass für die große Lebensanalyse: kennt man. Aber wie interessant, wenn sich Monika Maron damit befasst! Hofft man. Wer ein halbes Leben in einem Staat verbracht hat, der dann einfach verschwand, für den ist die Frage nach Zufall und Bestimmung keine theoretische. Es gäbe so viel Stoff, um daraus einen tiefen Roman zu machen. Maron geht daran entlang, berührt ihn kurz – und lässt ihn liegen.
Eine Handlung mit Spannungsbogen braucht ein Roman wie dieser gar nicht. Er bräuchte Gedanken, die einen packen und selbst weiterdenken lassen. Die fehlen. Wird’s grundsätzlich, klingt es schnell wie der Satz des Tages einer Meditations-App. Es bleibt seichtes Gewässer. Keine Erschütterung, das Interessante verliert sich.

Das Beste, was man über „Vier Minuten“ sagen kann? Man denkt vielleicht selbst ein wenig nach (immerhin!). Aber von Monika Maron, die so genau und so unbequem schreiben kann, hätte man mehr erwartet als ein Paddeln an der Oberfläche. Schade.

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